Mittwoch, 28. Oktober 2009

Osteuropa

So. Seit langer Zeit mal wieder ein Urlaubsbericht. Die Reise ging los in Kuala Lumpur nach London und von dort aus gleich weiter in das wunderschoene Riga...


dann weiter mit dem Bus nach Wilna...

...dann mit dem Bus nach Warschau...

...dann mit der laaangsamen Bahn (9 Stunden) nach Krakow...



...dort zu einer Besichtigung
in Oświęcim...



..dann weiter nach Prag (leider etwas zu touristisch)...








...weiter mit dem Bus ueber Berlin, Dresden, Hannover, Bremen nach HH...









und dann raus aus der Provinz und ab nach London







Von London aus ging es wieder nach KL.


Ok, das war gelogen, das letzte Bild stammt aus Melaka von einer traditionellen Tanzveranstaltung unseres hiesigen Kulturvereins. Fuer die Bilder aus Europa vielen Dank an Chrystal und ein ebenso grosses Dankeschoen an Ansgar fuer das schoene Photo aus Melaka.

Wozu also die Reise durch Europa und das auch noch im Oktober? Verantwortlich zeichnen duerfen sich die Billigfluglinie Air Asia X (knapp 300 EUR! insgesamt fuer Hin- und Rueckflug) und dann noch meine Freundin, die unbedingt Europa sehen wollte. Da ich also viele Orte in Westeuropa schon gesehen hatte, kam sie auf die grossartige Idee, man koenne sich ja mal Osteuropa ansehen. Das Ende sei vorweggenommen: Osteuropa habe ich vollkommen unterschaetzt, die Staedte und Laender, die wir gesehen haben, sind wunderschoen, die Menschen ehrlich und direkt, also entweder sehr freundlich, hilfsbereit oder eben extrem unfreundlich, was aber auch verstaendlich ist... Ok, ich muss nun schnell weg, Bilder schon mal da zum ansehen, Geschichte folgt vielleicht ganz bald.


So:

Die Menschen in Asien lachen mehr, man wird auf den Strassen haeufiger angesprochen und damit sind wir schon beim Thema Hamburg: All dies erzaehle ich Menschen, die ich in hier kennenlerne und wie das eben so ueblich ist, wird einem gleich nach Ankunft in HH das Gegenteil bewiesen: Chrystal bewies gleich guten Geschmack, wollte direkt nach Ankunft in Hamburg Currywurst essen und dabei geschieht es, dass nicht bloss die Verkaeuferin lustig und freundlich ist, sondern waehrend wir dort am Hauptbahnhof stehen und essen, gleich jemand im Vorbeigehen auf die Currywurst deutet und sagt „Das waer doch nich noetich gewesen“. Und das war irgendwie nicht zu erwarten. Wahrscheinlich gilt einmal mehr „wie man in den Wald hineinruft...etc“. All dies schreibe ich gerade, waehrend Kuala Lumpurs Himmel den Weltuntergang immitiert, erst war er grau, dann schwarz, dann verschwand das Bild auf dem Fernseher, dann donnert und grummelt es laut, es blitzt und der Regen taucht die Stadt ganz in graue Farbe. Das ist wieder eines jener Erlebnisse, ueber die ich mich freue, das ungewoehnlich und unbekannte. So ging es uns, als wir in Riga ankamen und auf der Fahrt im Taxi in der hereinbrechenden Nacht auf die Innenstadt zufahren. Der Mond am Himmel leuchtet in unwahrscheinlicher Groesse und auf Chrystal’s verstaendliche Nachfrage, ob der Mond immer so gross sei, lacht unser Taxifahrer vom ganzen Herzen und fragt froehlich mit starkem ‚russischen’ Dialekt, wie das denn bitte angehen koenne – so einen grossen Mond habe er noch nie gesehen.

In den kommenden Wochen reisen wir also von Stadt zu Stadt, mal mit dem Bus, mal mit der Bahn und entdecken Staedte, die soviel schoener sind, als viele Orte, die ich zuvor gesehen habe. Einzig das Wetter verlangt und einiges ab. Der Winter kommt ueberraschend frueh nach Osteuropa und in Krakow beginnt es sogar zu schneien. Dies ist aber selbst fuer die Krakower ungewoehnlich.

In Riga angekommen finden wir ein nettes Hostel, eine freundliche warme und bunte Altbuawohnung, in der wir ein Zimmer belegen. In der Kueche kann man sich jederzeit Tee und Kaffee kochen oder aber sich Brot, Wurst und Kaese vom Wochenmarkt mitbringen und gemuetlich zum Essen hinsetzen kann. Wir gehen Pelmeni essen, besichtigen die Stadt, finden noch bessere Essen, Kohl mit Rind, Maultaschen, rote Beete Salate, Kartoffelgratins jeglicher Art, dazu wuerziges Bier und dunkles Brot. Gutes Essen begegnet uns in jeder Stadt, in Wilna gibt es eine Art Kartoffelklos mit Schweinefleischfuellung und in Warschau finden wir Pelmini mit einer oeligen Sosse aus Schinkenfett und mit Sellerie und in Krakow gibt es leckerer rote Beete Suppe, Gulasch, das in einem Brotlaib serviert wird, wieder Pelmini mit Kaese, Rind und Fruehlingszwiebeln, herb-suessen Tee und ebenso schoenes kuehles Bier, Honig- und Ingwervodka. Der Vodka hilft um aufzuwaermen und zur Sicherheit tragen wir Riga Black Magic Balzam immer mit uns, ab und zu finden wir eine kleine Flasche Underberg, da wir weit und breit die einzigen zu sein scheinen, die die Kaelte ueberhaupt nicht abkoennen. Die Maedchen in Riga tragen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch kurze Roecke, einigen in Wilna reicht ein Pullover und auch in Polen gibt es noch Maedchen, die sich mit einem Rock im Schneeregen begnuegen koennen. Wir laufen im Zickzack durch die Staedte, waermen uns in Kirchen, Synagogen, Supermaerkten, Schloessern und Restaurants auf und trotz etlicher Kilometer, die wir jeden Tag hinter uns lassen, lege ich ein paar Kilogramm in dieser Zeit zu.

Die Welt erscheint in dieser Zeit so unreal; nicht bloss die Kaelte und der graue Himmel. Hinzu kommt, dass die Menschen um mich herum wieder alle weiss sind und nicht gelb oder braun, ich bin einer von ihnen und nicht ein Alien in KL. Auf den Strassen geht es ruhiger zu, die Luft, die wir atmen ist frisch und ganz seltsam ist das Gefuehl in Hamburg, wo ich ploetzlich jeden um mich herum wieder verstehe und ich muss mir angewoehnen, mich nicht mehr umzudrehen, wenn jemand Deutsch spricht. Seltsam aber schoen ist das heimatliche Gefuehl als ich mir Jacke und Pullover ausziehe, die Immigration hinter mir lasse, in ein Taxi steige und mich auf der Autobahn den Petronas Tuermen naehere, die schon von weitem erkennbar grell beleuchtet in der Nacht in den Himmel ragen. Hier vermisse ich Freundin, Familie und Freunde – die wahre Heimat bleibt in den Erinnerungen erhalten und dies ist ein gutes Gefuehl.


Mittwoch, 11. März 2009


Wenn man mal zur Abwechslung schoene Schweinesalami und Schwarzbrot zu Knabbern bekommt, merkt man mal wieder was man vermisst. Normalerweise lautet meine Antwort auf die Frage’Nein’ oder zumindest ’Nicht viel’. Das ist in KL auch einfacher zu sagen, als noch in Indien. Klar, Freunde, Familie, Freundin, ob nun in Australien, Deutschland oder Singapur – aber ansonsten? Ja, eben manchmal das Essen. Einziges Problem dabei ist, dass ich eigentlich nur noch dann Magenprobleme bekomme, wenn ich deutsches oder westliches Essen zu mir nehme. Es gibt aber immerhin Schweinefilet sehr guenstig hier im Supermarkt, auch wenn man das gesondert bezahlen muss, damit die Kassiererin dieses nicht in die Hand nehmen muss.


Das Nachtleben ist vergleichbar mit Deutschland, die auslaendischen Gruppen sind klein und ueberschaubar, die Westler sind sehr aufgeschlossen, aber um einheimische Freunde zu finden, mit denen man nicht zusammenarbeitet, faellt mir zur Zeit noch schwerer. Von vielleicht sieben Wochenenden war ich allerdings auch drei oder vier nicht in KL, habe einmal einen Freund aus Indien (naemlich Thomas aus Paderborn) in Singapur besucht und am vorvergangenen Wochenende kam dann Ansgar aus Chennai hier vorbei. Wie erwaehnt laesst sich das Leben nicht wirklich mit Indien aber auch nicht mit Deutschland vergleichen. Der Lebensstandard ist eher europaeisch, die Menschen sehen aber dennoch recht asiatisch aus. Die Gruppen unterteilen sich meist sauber in Westler, Inder, Chinesen und Malayen, mit Ausnahmen natuerlich, aber ich denke, ich habe das schon erwaehnt. Eine gute Seite an der Arbeit ist, dass ich auf viele Abendevents gehe und dort eine Menge Leute kennenlerne. Der Rest der Deutschen kommt sowieso in der Kammer vorbei. Eingerichtet habe ich mich insofern, als dass ich ein geniales Buegeleisen gekauft habe – in Indien konnte man allerdings die Hemden noch fuer wenige Cents zum Buegelmann geben. Nach ueber einem Jahr ohne eigenes Kochen, habe ich entdeckt, dass die Supermaerkte nahezu alles anbieten, was man zum Kochen braucht und unsere WG-Kueche ist vor dem Kochen auch sauber und gut ausgeruestet. Schotte, Russe und chinesischer Malaysier sind als Mitbewohner super, sehr ruhig und angenehm und so finden wir uns haeufig alle auf dem Sofa im Wohnzimmer mit Laptop ein, sitzen, reden oder schweigen zusammen. Die Welt um den Condo herum ist lebendig, farbenfroh, war einst als Rotlichtviertel bekannt und erhaelt seinen Scharm von Bars, Clubs, Strassenrestaurants, Massagesalons, Abzockerparkplaetzen, alten chinesichen Zuhaeltern, kleinen Strassenlaeden und dem ganzen Volk, das sich hier tummelt. Es mutet seltsam an, wenn ich, der hier sogar gross wirkt, mit Hemd und Krawatte von der Arbeit komme und mich zielstrebig durch die Menschenmengen schlaengele. Ich passe hier nicht hinein, falle auf und geniesse dieses Gefuehl. Nicht bloss, dass mich chinesische Maedchen und sogar die Malayinnen mit Kopftuch gelegentlich anlaecheln oder dass Leute, mit denen man spricht, sich besonders fuer einen interessieren. Wobei, vielleicht ist es gerade das. Vielleicht sind gar nicht die Menschen hier so sehr anders, sondern man selbst ist ein Fremdkoerper in dem Ganzen und man lebt in einem Umfeld, das diesen Fremdkoerper eben nicht gewohnt ist. In Hamburg wundert man sich ueber niemanden so richtig, Menschen jeglicher Hautfarbe gehoeren zum Stadtbild und machen die Stadt gerade aus. Ich bemerke immer wieder, wie schnell ich Deutsche hier einschaetzen kann, anhand des Dialekts, der Art und Weise wie man spricht. Vielleicht vermitteln gerade die Gespraeche auf Englisch, in denen man den anderen erst ganz langsam einzuschaetzen weiss, mir das Gefuehl, dass auch dieser Aspekt interessanter ist. Sicher lernt man in einer Beziehung, die man nicht in der Muttersprache fuehrt, den anderen ganz anders kennen, auch weil die Staerke der eigenen Muttersprache und der gesamten Kommunikation nicht zum Tragen kommt. Dazu kommen andere Werte, eine andere Kultur – also ein kompett anderes Weltbild.


Ein etwas zweifelhaftes Gespraech fuehrte ich gestern im Taxi mit einem Tamil-Malaysier. Als er naemlich meine Nationalitaet erfragt hatte, sagte er, die Muslime wuerden die Deutschen moegen, da sie staendig gegen den Krieg der Amerikaner und Briten seien. Ich merkte dann pflichtgemaess die Weltkriege an, aber das bestaerkte ihn in seiner Argumentation... . Dann las ich am spaeteren Abend aber im Spiegel, dass die iranische Frauennationalmannschaft praktisch verschleiert ein Freundschaftsspiel gegen die deutsche Mannschaft ausrichten moechte. Klingt ersteinmal seltsam, aber dann folgte der Zusatz, dass man gegen eine Spitzenmannschaft aus einem Land spielen wolle, das die eigenen Werte akzeptiere und respektiere. Mich versoehnte das ein wenig, und liess mich die aergerliche Unterhaltung mit dem Taxifahrer vergessen.


Ohnehin sei zur Kultur beispielshaft das Nachfolgende aufgefuehrt, naemlich dass meine Freundin unlaengst einwilligte, dass ich das chinesiche Neujahr mit ihrer Familie begehen duerfe. Unser Wochenende in KL ueber gingen wir viel spazieren, assen gut und lange, unterhielten uns viel und tranken am Abend in der Skybar mit Blick auf die Zwillingstuerme Mojito und ich natuerlich Bier. Ich muss scheinbar soviele Punkte ueber dieses Wochenende gesammelt haben, dass sie mich blind und unter Entsagung jeglicher Vernunft zu dem groessten Familienevent einer chinesischen Grossfamilie nach Singapur nahm. Ich, der dreimal angesprochen hatte, dort mithin zu koennen (ja sogar zu wollen), erstarrte erst dann zur Salzsaeule, als ich erkannte, dass eine chinesische Grossfamilie zwar nicht in Centimetern, aber doch ihrer Anzahl nach, die gewohnte Europaeische bei Weitem ueberragt und all jene standen also nun im Hintergarten bei Omma und fragten sich, wen die leicht rebellische Schwester, Tochter, Nichte, Cousine, Enkelin oder so denn da nun anschleppe. Zuvor hatte man bei Facebook sich ein wenig schlau gemacht und auch der Bruder wurde ausgefragt, der den weissen Fremdling schon einmal gesehen hatte, allerdings – und das vereinfachte die Situation im Laufe des Abends nicht gerade – erinnerte er sich nur noch an den Namen und verwurstete diese Informationen gleich zweimal, naemlich eben fuer den Namen und aber auch gleich fuer die Herkunft, in dem er erwaehnte, der gute Herr kaeme aus Johannesburg. Nein, dass ich weiss und nicht schwarz sei vermochte er noch aufzuklaeren, aber die Sorge, dass die Weissen aus Johannesburg vielleicht ebenfalls arm waeren, liess sich erst spaeter beheben beziehungsweise wurde die Frage nicht mehr relevant. Nun denn, gerade aus dem Taxi ausgestiegen schwallte das Stimmgewirr zu uns herueber und mir wurde ganz anders, da ich ja nun schlauerweise erst jetzt bemerkte, dass die Familie etwas groesser als gedacht. Und eben diese Erwartungshaltung. Wie lange hatte ich so etwas nicht mehr? Spaeter am Abend, nach all den verwunderten Gesichtern, die mir begegneten, wenn ich erwaehnt hatte, dass ich aus Deutschland komme, sass ich dann bei Cocktails und Wein mit einigen aus der Familie am Tisch, man berichtete von Europareisen und wir sprachen von Singapur, Malaysia und der Welt. Zuvor durfte ich erfahren, dass eine Grossfamilie den Nutzen hat, dass einem rund 60 Haende und 30 Muender behilflich sein koennen, Essen und Getraenke zu bringen und dasselbe auch zu erlaeutern und sich zu erkundigen, wie es denn munde und wie einem Singapur denn gefalle. Nachts um drei wurde ich dann aus dem Schlaf gerissen, wir fuehren nun nach Chinatown, die Kekse und alles andere seien jetzt im Ausverkauf und die Touristen endlich weg und so liefen Vater, Mutter, Bruder, Schwester, beinahe wie in jedem Jahr – bloss eben mit Johannesburger Anhang – durch das mit Verpackungsresten vermuellte Chinatown, das doch im ach so sauberen Singapur eines der Herzstuecke bildet. Alle waren wohl ein wenig stummer als man es vermutlich sonst ist, alle ein wenig unangenehm beruehrt, aber freundlich bemueht, mich das nicht spueren zu lassen. Herzlichkeit ist, (und ich verabscheue ansonsten zu definieren, weil man immer falsch liegt und wer ist man denn schon, der man sich anmasst, etwas auf den Punkt bringen zu koennen) also Herzlichkeit ist, in diesem Moment, aus Respekt vor dem Familienmitglied jemanden in dieser Gemeinschaft aufzunehmen, sich zu bemuehen, dieser Person ein Zuhause zu schenken, es an der Familie teilhaben zu lassen. Kant wuerde vielleicht sagen ‚aus Pflicht’. Und das waere sein groesstes Kompliment. Wenn ich mich denn richtig erinnere...

Samstag, 28. Februar 2009

Sonntag, 8. Februar 2009

und 3...

Gucken wir mal was es so gibt...

Ok, eine grosse indische Goetterstatue oder so...

Aha, sieht schon besser so aus...

aha...ein geweisster Vogel...

Und was machen die mit dem?


Ach so, naja...jetzt aber weggucken bitte:

Was kommt denn da?


Nee!! Oder...?

Naja vielleicht ja doch...also ab durch die Massen zur Nahaufnahme.. nur wer mag...




Aha.